Neues Spielzeug (XAMPP installieren)

2009/01/26

In diesem Teil werden die Werkzeuge installiert, die unsere Ubuntu-VM zur Web-Applikations-Spielwiese machen:

Teil 3: XAMPP installieren

Profis würden jetzt die Pakete einzeln installieren; Apache, MySQL, PHP, Perl. Kann man auch, aber es dauert eine Weile und man muss an vielen Stellen Einstellungen ändern, Dateien verschieben und so weiter.

Deshalb holen wir uns das Komplettpaket XAMPP von Apachefriends.org. Das gibt es für Linux, Windows und Mac, und es ist gerade auf Linux sehr einfach zu installieren.

Download und Installation

  • In der VM den Firefox-Browser öffnen, entweder oben in der Mitte des Bildschirms oder über Anwendungen / Internet.
  • apachefriends.org im Browser aufrufen und XAMPP für Linux anwählen. Die Seite am besten mal kurz durchlesen.
  • XAMPP Linux runterladen. Normalerweise speichert Firefox ins Desktop-Verzeichnis, in unserem Fall /home/mes/Desktop.
  • Terminal-Fenster (Shell) öffnen (Anwendungen / Zubehör / Terminal) und ins Download-Verzeichnis wechseln: „cd Desktop“
  • Prüfen, dass das XAMPP-Paket hier liegt: „ls -l“
    Es sollte xampp-linux-1.7.tar.gz oder ähnlich heissen
  • Jetzt folgt der Zauberspruch für die Installation: „sudo tar xvfz xampp-linux-1.7.tar.gz -C /opt“
    Dabei wird das User-Passwort abgefragt; siehe Teil 2.

Das war’s schon. Was ist passiert? Der Inhalt des Pakets wurde in das System-Verzeichnis opt entpackt. Mehr muss man nicht tun, um XAMPP lauffähig zu installieren.

Im einzelnen:
„sudo“ – den folgenden Befehl im „super user“-Modus ausführen, deshalb die Passwortabfrage.
„tar“ – ist ein Standard-Unix Pack/Entpackprogramm. Dateien mit der Endung tar sind seine.
„xvfz“ – sind die Parameter für tar: x = entpacken; v = verbose, viel Ausgabe; f = es folgt ein tar-Dateiname; z = es ist ein komprimiertes tar (.gz).
„xampp-linux-1.7.tar.gz“ – der Paketname
„-C /opt“ – eine Option von tar, bedeutet Auspacken in das folgende Verzeichnis (/opt).

Warum „/opt“? Das ist Konvention. Technisch könnten wir XAMPP und jedes andere Programm in jedem Verzeichnis abspeichern und starten. Aber opt ist das traditionelle Systemverzeichnis für optionale Pakete.

Erststart

Im schon geöffneten Terminal tippen wir: „sudo /opt/lampp/lampp start“

„sudo“ kennen wir schon. „/opt/lampp/lampp“ ist das Startprogramm für XAMPP im Verzeichnis /opt/lampp und „start“ heisst genau das: XAMPP starten. Die anderen Optionen für das Startprogramm sind „stop“ und „restart“.

Es sollte „XAMPP fuer Linux gestartet“ ausgegeben werden. Wenn ja, dann laufen jetzt Apache (Webserver), MySQL (Datenbank) und PHP sollte auch verfügbar sein. Das testen wir im Firefox, indem wir localhost oder 127.0.0.1 aufrufen. Der Splash-Screen von XAMPP sollte erscheinen. Wir klicken auf „Deutsch“ – die Hauptseite von XAMPP erscheint – und danach links auf „Status“.

So sollte es dann auf dem Bildschirm aussehen:
xampp_install_01

Wo ist was?

Das wichtigste Verzeichnis auf unserer VM ist jetzt /opt/lampp/htdocs. Das ist das Web-Hauptverzeichnis. Zum Test erstellen wir eine erste PHP-Seite.

  • Im Terminalfenster ins Web-Verzeichnis wechseln: „cd /opt/lampp/htdocs“
  • Mit einem Editor eine neue Datei anlegen: „sudo gedit info.php“
  • In diese Datei die Zeile „<?php phpinfo(); ?>“ eintippen
  • Abspeichern, und
  • im Firefox „localhost/info.php“ aufrufen.

Wenn alles geklappt hat, sollte folgendes zu sehen sein:

xampp_install_02

Gruppenarbeit (Berechtigungen)

Warum schon wieder sudo bei einem simplen Editor? Weil /opt ein Systemverzeichnis ist, in dem wir als Benutzer mes eigentlich nicht schreiben dürfen. Andererseits muss der Webserver die Dateien auch lesen dürfen. Das heisst: Bei allen Dateien, die wir über den Webserver verarbeiten wollen, müssen wir darauf achten, dass die Leserechte ausreichen.

Der Webserver läuft unter dem User nobody. Wir sind normalerweise als mes angemeldet und mit sudo sind wir plötzlich root, also Systemadministrator.

Welche Berechtigungen bei einer Datei gesetzt sind, sieht man mit „ls -l“.

xampp_install_032

Wichtig für uns: Vor jeder Datei, die der Webserver verarbeiten soll, müssen links in der ls-Liste drei „r“ stehen. Drei, weil es die Lese-Berechtigungen („read“) für den Besitzer, die Gruppe des Besitzers und „other“ sind. Sollten keine drei „r“ dort stehen, kann man sie mit „sudo chmod ugo+r dateiname“ setzen. Alles weitere erklärt die man page für chmod, die man im Terminalfenster mit „man chmod“ ansehen kann. Die Kurzfassung gibt es mit „chmod –help“.

Automatischer Start

Leider müssen wir XAMPP bei jedem Start der VM neu starten („sudo /opt/lampp/lampp start“). Das ist hinderlich, deshalb benutzen wir die immer noch geöffnete Shell (das Terminalfenster), um XAMPP automatisch mit Ubuntu zu starten:

  • Wechseln ins Verzeichnis /etc: „cd /etc“
  • Die Datei rc.local in einen Editor laden: „sudo nano rc.local“
  • vor „exit 0“ die Zeile „sudo /opt/lampp/lampp start“ einfügen
  • Beenden mit Strg-X, speichern bestätigen mit J

Jetzt die VM neu starten, um den Autostart zu testen.

Was haben wir getan? Die Datei „/etc/rc.local“ enthält Befehle, die beim Start von Ubuntu ausgeführt werden. Normalerweise ist sie leer, aber aufgerufen wird sie trotzdem. Wir haben einfach die Zeile eingefügt, die wir sonst per Hand eintippen müssten.

Linux-Profis werden hier möglicherweise die Nase rümpfen; wenn sie diese Anleitung überhaupt lesen. Ja, es gibt andere Wege, Programme beziehungsweise „Dienste“ beim Systemstart zu starten. Aber wir bauen eine Spielwiese und beschränken uns auf die einfachste Methode.

Und nu?

Well, die Spielwiese läuft. Am besten jetzt eine Kopie der VM erstellen, denn so rein und frisch kriegen wir sie nie wieder zusammen. Der nächste Teil, Installation von Drupal in der VM, erscheint nicht hier, sondern im Blog Doku-Hotline meiner Frau, für die ich diese kleine Anleitung eigentlich geschrieben habe.


Die Sandkiste einrichten und aufräumen (Ubuntu VM)

2009/01/24

Die VM aus Teil 1 ist erzeugt, die virtuelle Installations-CD eingelegt. Jetzt folgt:

Teil 2: Ubuntu in der portablen VM installieren, entrümpeln und updaten

Ubuntu-Linux installieren

Wir starten die VM und warten auf den Startbildschirm. Zwischendurch meldet sich VirtualBox mit Meldungen zum Host-Key (dazu gleich) und der Bildschirmauflösung, die wir ignorieren können.

Währenddessen eine kurze Werbeeinblendung: Wenn wir in das VM-Fenster klicken gehen Tastatur und Maus nur noch in die VM. Damit ergibt sich gleich die Frage, wie man wieder rauskommt. Jede Virtualisierung hat irgendeine Tastenkombination dafür. Bei VirtualBox ist es von Haus aus die rechte Strg-Taste. Diese Einstellung kann man im VirtBox-Fenster ändern (Datei / Globale Einstellungen / Eingabe). Welche Taste eingestellt ist, sieht man im Fenster der VM ganz unten rechts. Hellgrüner Pfeil: Tastatur und Maus gehen in die VM, dunkelgrüner Pfeil: Eingabe geht zum Host. Ende der Werbung, weiter mit dem Hauptfilm.

Beim Start fragt Ubuntu einiges ab: Dialogsprache, Zeitzone und Tastatur. Deutsch ist okay, auch wenn wir später lauter englischsprachige Software installieren. Die Festplatte, unsere vDisk, will Ubuntu vollständig nutzen, was auch so in Ordnung ist.

Folgt die „Wer sind Sie?“-Seite. Ich schlage folgende Einstellungen vor:

ubuntu_vm_install-021

Passwort bitte selbst ausdenken und gut merken.

Bei „automatisch anmelden“ das Häkchen setzen, dann läuft die VM ohne Passworteingabe bis zum benutzbaren Desktop hoch.

Danach startet die Installation und das dauert wirklich eine ganze Weile. Wenn dabei das Licht ausgeht: Das ist der Bildschirmschoner, den man durch Tastendruck oder Mausbewegung unterbrechen kann. Zur Erinnerung: Mit dem Host-Key kommt man mit der Maus wieder aus dem VM-Fenster raus.

Schliesslich fordert Ubuntu den Neustart. Vorher müssen wir aber die Installations-CD auswerfen:

  • Im Menü des VM-Fensters unter Maschine / schliessen / Ausschalten die VM beenden
  • Im Steuerfenster von Virtual Box in den Einstellungen der VM das CD-ISO-Image abtrennen (Häkchen entfernen bei „CD/DVD-Laufwerk einbinden“)

Jetzt die VM neu starten. Ubuntu sollte hochfahren und irgendwann den Desktop anzeigen. Alle Meldungen zu Aktualisierungen und so weiter können wir erst mal ignorieren; dazu kommen wir später.

Gasterweiterungen

Die Gasterweiterungen sind Komponenten von Virtual Box, die uns das Leben erleichtern. Unter anderem Bildschirmtreiber, so dass wir höhere Auflösungen als 800×600 einstellen können. Diese Software liegt als ISO-Image vor und kann so als virtuelle CD eingebunden werden:

  • Im Menü des VM-Fensters Geräte / Gasterweiterungen installieren… klicken
  • Wenn nach „Ausführen“ gefragt wird: Nein. Bei Linux müssen wir das manuell machen
  • Im Ubuntu-Menü Anwendungen / Zubehör / Terminal klicken. Es öffnet sich ein Kommandozeilenfenster (das unter Linux Shell heisst)
  • „cd /cdrom“ wechselt in das Vezeichnis des Gasterweiterungs-ISO
  • „sudo ./VBoxLinuxAdditions-x86.run“ startet die Installation. Das geforderte Passwort ist das, was wir oben bei der Installation ausgesucht haben.

So sollte es nach der Installation aussehen:

ubuntu_vm_install-071

Wie man sieht muss man auch Linux nach manchen Änderungen neu starten. Das geht mit dem roten Knopf ganz oben rechts im Ubuntu-Bildschirm.

Nach dem Neustart dürfte das VM-Fenster jetzt deutlich größer sein. Das ist auch notwendig, damit einige der Systemdialoge überhaupt auf den Bildschirm passen.

Entrümpeln

Mit Entrümpeln ist gemeint, überflüssige Software zu löschen. Ubuntu Desktop wird mit reichlich Programmen geliefert, zum Beispiel dem kompletten Open Office-Paket. Ich lösche für meine MES-Versuche nur die Spiele. Das Office lasse ich erst mal drauf, falls ich später mal eine Exceltabelle bearbeiten will.

  • Aktualisierung ignorieren
  • Anwendungen / Hinzufügen/entfernen… klicken
  • „Liste aktualisieren?“: Ja. Dazu muss der Host eine Internetverbindung haben.
  • Im Anzeigefilter „Anzeigen:“: „nur installierte Anwendungen“ auswählen
  • In der Liste der Kategorien „Games“ anklicken. Im Hauptfenster werden die Pakete angezeigt.
  • Durch entfernen der Häkchen in der Paketliste werden die Pakete zum löschen vorgemerkt
  • Durchgeführt werden die Löschungen erst beim Klick auf „Änderungen anwenden“.
    Es wird wieder das Passwort aus der Installation benötigt.

Es lohnt sich, nach dem Entrümpeln neu zu starten.

Update

Unser System ist garantiert nicht auf dem neuesten Stand. Das meldet es auch beim Start durch „Aktualisierungen verfügbar“. Jetzt, nach Gasterweiterungen und Entrümpeln, bringen wir den Rest auf Vordermann.

  • Update starten durch Klick auf den roten Pfeil oben rechts. Dafür muss unser Hostrechner eine Internet-Verbindung haben.
  • Ruhig alles installieren, was vorgeschlagen wird, auch wenn es etwas länger dauert
  • Noch einmal neu starten.

Wir haben jetzt einen virtuellen Arbeitsplatz-PC mit Ubuntu-Linux.

Backup

Einen virtuellen PC zu sichern ist viel einfacher als bei einem physikalischen. Man fährt die VM runter und kopiert die vDisk-Datei. So wie wir installiert haben, liegt die vDisk mit dem Namen mes-play.vmdk unter d:\Portable-VirtualBox-Win32\data\.VirtualBox\HardDisks\ Bitte den Punkt im Verzeichnisnamen beachten.

Die Datei sollte jetzt ca. 3,5GB groß sein. Wenn wir sie unter einem neuen Namen ins gleiche Verzeichnis kopieren und im Virtual Box Manager „aktualisieren“ klicken, taucht sie in der Liste auf.

Der Gag dabei: Wir können jederzeit eine neue VM erzeugen und die kopierte vDisk oder gar eine Kopie der Kopie dort einbinden, und so stets auf eine gesicherten Stand zurückgreifen.

Ich empfehle, schon um die Zeit für Neuinstallationen zu sparen, vor größeren Aktionen auf der VM die vDisk zu kopieren.

Im Teil 3 geht es dann um die Installation von Webserver, Datenbank und Skriptsprache, sprich: Apache, MySQL und PHP.