Die Sandkiste einrichten und aufräumen (Ubuntu VM)

2009/01/24

Die VM aus Teil 1 ist erzeugt, die virtuelle Installations-CD eingelegt. Jetzt folgt:

Teil 2: Ubuntu in der portablen VM installieren, entrümpeln und updaten

Ubuntu-Linux installieren

Wir starten die VM und warten auf den Startbildschirm. Zwischendurch meldet sich VirtualBox mit Meldungen zum Host-Key (dazu gleich) und der Bildschirmauflösung, die wir ignorieren können.

Währenddessen eine kurze Werbeeinblendung: Wenn wir in das VM-Fenster klicken gehen Tastatur und Maus nur noch in die VM. Damit ergibt sich gleich die Frage, wie man wieder rauskommt. Jede Virtualisierung hat irgendeine Tastenkombination dafür. Bei VirtualBox ist es von Haus aus die rechte Strg-Taste. Diese Einstellung kann man im VirtBox-Fenster ändern (Datei / Globale Einstellungen / Eingabe). Welche Taste eingestellt ist, sieht man im Fenster der VM ganz unten rechts. Hellgrüner Pfeil: Tastatur und Maus gehen in die VM, dunkelgrüner Pfeil: Eingabe geht zum Host. Ende der Werbung, weiter mit dem Hauptfilm.

Beim Start fragt Ubuntu einiges ab: Dialogsprache, Zeitzone und Tastatur. Deutsch ist okay, auch wenn wir später lauter englischsprachige Software installieren. Die Festplatte, unsere vDisk, will Ubuntu vollständig nutzen, was auch so in Ordnung ist.

Folgt die „Wer sind Sie?“-Seite. Ich schlage folgende Einstellungen vor:

ubuntu_vm_install-021

Passwort bitte selbst ausdenken und gut merken.

Bei „automatisch anmelden“ das Häkchen setzen, dann läuft die VM ohne Passworteingabe bis zum benutzbaren Desktop hoch.

Danach startet die Installation und das dauert wirklich eine ganze Weile. Wenn dabei das Licht ausgeht: Das ist der Bildschirmschoner, den man durch Tastendruck oder Mausbewegung unterbrechen kann. Zur Erinnerung: Mit dem Host-Key kommt man mit der Maus wieder aus dem VM-Fenster raus.

Schliesslich fordert Ubuntu den Neustart. Vorher müssen wir aber die Installations-CD auswerfen:

  • Im Menü des VM-Fensters unter Maschine / schliessen / Ausschalten die VM beenden
  • Im Steuerfenster von Virtual Box in den Einstellungen der VM das CD-ISO-Image abtrennen (Häkchen entfernen bei „CD/DVD-Laufwerk einbinden“)

Jetzt die VM neu starten. Ubuntu sollte hochfahren und irgendwann den Desktop anzeigen. Alle Meldungen zu Aktualisierungen und so weiter können wir erst mal ignorieren; dazu kommen wir später.

Gasterweiterungen

Die Gasterweiterungen sind Komponenten von Virtual Box, die uns das Leben erleichtern. Unter anderem Bildschirmtreiber, so dass wir höhere Auflösungen als 800×600 einstellen können. Diese Software liegt als ISO-Image vor und kann so als virtuelle CD eingebunden werden:

  • Im Menü des VM-Fensters Geräte / Gasterweiterungen installieren… klicken
  • Wenn nach „Ausführen“ gefragt wird: Nein. Bei Linux müssen wir das manuell machen
  • Im Ubuntu-Menü Anwendungen / Zubehör / Terminal klicken. Es öffnet sich ein Kommandozeilenfenster (das unter Linux Shell heisst)
  • „cd /cdrom“ wechselt in das Vezeichnis des Gasterweiterungs-ISO
  • „sudo ./VBoxLinuxAdditions-x86.run“ startet die Installation. Das geforderte Passwort ist das, was wir oben bei der Installation ausgesucht haben.

So sollte es nach der Installation aussehen:

ubuntu_vm_install-071

Wie man sieht muss man auch Linux nach manchen Änderungen neu starten. Das geht mit dem roten Knopf ganz oben rechts im Ubuntu-Bildschirm.

Nach dem Neustart dürfte das VM-Fenster jetzt deutlich größer sein. Das ist auch notwendig, damit einige der Systemdialoge überhaupt auf den Bildschirm passen.

Entrümpeln

Mit Entrümpeln ist gemeint, überflüssige Software zu löschen. Ubuntu Desktop wird mit reichlich Programmen geliefert, zum Beispiel dem kompletten Open Office-Paket. Ich lösche für meine MES-Versuche nur die Spiele. Das Office lasse ich erst mal drauf, falls ich später mal eine Exceltabelle bearbeiten will.

  • Aktualisierung ignorieren
  • Anwendungen / Hinzufügen/entfernen… klicken
  • „Liste aktualisieren?“: Ja. Dazu muss der Host eine Internetverbindung haben.
  • Im Anzeigefilter „Anzeigen:“: „nur installierte Anwendungen“ auswählen
  • In der Liste der Kategorien „Games“ anklicken. Im Hauptfenster werden die Pakete angezeigt.
  • Durch entfernen der Häkchen in der Paketliste werden die Pakete zum löschen vorgemerkt
  • Durchgeführt werden die Löschungen erst beim Klick auf „Änderungen anwenden“.
    Es wird wieder das Passwort aus der Installation benötigt.

Es lohnt sich, nach dem Entrümpeln neu zu starten.

Update

Unser System ist garantiert nicht auf dem neuesten Stand. Das meldet es auch beim Start durch „Aktualisierungen verfügbar“. Jetzt, nach Gasterweiterungen und Entrümpeln, bringen wir den Rest auf Vordermann.

  • Update starten durch Klick auf den roten Pfeil oben rechts. Dafür muss unser Hostrechner eine Internet-Verbindung haben.
  • Ruhig alles installieren, was vorgeschlagen wird, auch wenn es etwas länger dauert
  • Noch einmal neu starten.

Wir haben jetzt einen virtuellen Arbeitsplatz-PC mit Ubuntu-Linux.

Backup

Einen virtuellen PC zu sichern ist viel einfacher als bei einem physikalischen. Man fährt die VM runter und kopiert die vDisk-Datei. So wie wir installiert haben, liegt die vDisk mit dem Namen mes-play.vmdk unter d:\Portable-VirtualBox-Win32\data\.VirtualBox\HardDisks\ Bitte den Punkt im Verzeichnisnamen beachten.

Die Datei sollte jetzt ca. 3,5GB groß sein. Wenn wir sie unter einem neuen Namen ins gleiche Verzeichnis kopieren und im Virtual Box Manager „aktualisieren“ klicken, taucht sie in der Liste auf.

Der Gag dabei: Wir können jederzeit eine neue VM erzeugen und die kopierte vDisk oder gar eine Kopie der Kopie dort einbinden, und so stets auf eine gesicherten Stand zurückgreifen.

Ich empfehle, schon um die Zeit für Neuinstallationen zu sparen, vor größeren Aktionen auf der VM die vDisk zu kopieren.

Im Teil 3 geht es dann um die Installation von Webserver, Datenbank und Skriptsprache, sprich: Apache, MySQL und PHP.

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Virtuelle Sandkiste zum Mitnehmen (portable VM)

2009/01/23

Anforderung meiner Frau: „Mach mir doch mal eine VM zum Mitnehmen, wo ich <insert beliebige Webanwendung, Drupal, WordPress, Wiki> installieren und rumzeigen kann“. Okay. Virtuelle Maschine ist klar. Portabel, also vom USB-Stick oder der Moibilplatte einfach laufen lassen  ist schon schwieriger.

Virtualisierungs-Lösungen wollen entweder auf dem Hostrechner installiert werden oder haben keine akzeptable Oberfläche. Bis auf VirtualBox. Das gibt es jetzt auch portabel (danke Caschy). Und es ist für private und Testzwecke frei verfügbar.

Wir bauen uns also eine VM, tun ein freies Betriebssystem drauf, weil wir keine Kauflizenzen über haben und installieren den ganzen LAMP-Kram: Webserver, Datenbank, Skriptsprache.

Teil 1: Eine portable VM

… und dabei heisst portabel nicht nur „läuft auch von USB-Stick / Mobil-Platte“, sondern auch „läuft mit verschiedenen Virtualisierungs-Paketen“.

Benötigt werden:

  • portable Virtual Box (Verzeichnis); wähle Folder mit der höchsten Versionsnummer, z.B. VirtualBox v2.2.4, darin den Starter, z.B. Starter v3.1.0 und darin die Datei, die auf -Win32.exe endet, z.B. Portable-VirtualBox_v2.2.4-Starter_v3.1.0-Win32.exe
  • Ubuntu-Installations-ISO-Image (Verzeichnis); wähle „Desktop Edition“, „latest Version“, „32 bit“.

Download

Zuerst laden wir die Pakete herunter in unser Download-Verzeichnis.

portable Virtual Box ist ein selbstentpackendes Exe. Wir starten es und geben als Ziel am besten das Hauptverzeichnis an. Bei mir D:\. Es entsteht das Verzeichnis Portable-VirtualBox-Win32. Dieses Verzeichnis wird unser „Mitnehm“-Verzeichnis. Alles was sich hier ansammelt kommt  später auf unsere Mobil-Platte.

Alsdann starten wir im Verzeichnis Portable-VirtualBox-Win32 die Portable-VirtualBox.exe. Beim ersten Mal soll man sich registrieren, kann das Fenster aber auch einfach mit abbrechen schliessen.

Bevor wir aber eine neue VM anlegen, basteln wir uns eine virtuelle Festplatte dafür. Das VirtualBox-Fenster lassen wir offen.

Virtuelle Festplatte erstellen

Wichtigster Teil einer virtuellen Maschine ist ihr Festplatten-Image (vDisk). Das ist eine Datei, die von der VM als Festplatte angesehen wird. Jedes Virtualisierungspaket hat seine eigenen Formate, aber inzwischen unterstützen die meisten Pakete das VMDK-Format von VMWare. Wenn unsere portable VM dieses Format verwendet, können wir sie zum Beispiel auch auf VMWare und Qemu laufen lassen.

Netterweise kann Virtual Box dieses Format auch erzeugen, aber nicht mit seinem „Manager für virtuelle Medien“, sondern mit dem Kommandozeilen-Tool VBoxManager.exe, das sich in Portable-VirtualBox-Win32\app32\ befindet.

vDisk im VMDK-Format anlegen:

  1. Kommandozeilen-Fenster öffnen (Start, Ausführen, cmd.exe) und ins Verzeichnis Portable-VirtualBox-Win32\app32\ wechseln
  2. das Image erzeugen mit „VBoxManage.exe createhd -filename mes-play.vmdk -format VMDK -size 8000 -register“.
    -size 8000 legt die maximale Größe auf knapp 8GB (8000MB) fest, -register registriert die vDisk im „Manager für virtuelle Medien“
  3. Im VirtualBox-Fenster unter Datei den „Manager für virtuelle Medien“ aufrufen. Im Tab Festplatten sollte unsere neu erzeugte vDisk wie folgt auftauchen:
    virtboxport_mes-play_054
    Wie, nur 1 MB? Ja, die VMDK-Datei wird später bei Benutzung automatisch größer, eben bis zur maximal eingestellten Größe. VMWare enthält einige Tools, um VMDK-vDisks zu vergrößern, verkleinern und wie physikalische Platten anzukoppeln. Aber das brauchen wir erst mal nicht.
  4. Nun im Tab CD/DVD-Abbilder das Ubuntu-ISO hinzufügen:
    virtboxport_mes-play_061
  5. Jetzt den Medien-Manager schliessen

VM anlegen und starten

Jetzt können wir die eigentliche VM anlegen.

  1. Das VirtualBox-Fenster ist ja noch offen. Mit Neu eine neue VM anlegen.
    Name: MES-Playground,
    Betriebssystem: Linux,
    Version: Ubuntu
  2. Als Speicherplatz ist alles oberhalb von 384MB verwendbar. Je mehr Speicher desto besser. Aber bitte bedenken, dass sobald die VM läuft, der Speicher für die VM vom physikalischen Speicher für den Host abgeht. Für unsere Mini-VMs sind 500MB prima.
  3. Unter virtuellen Festplatten wird uns die eben erzeugte vDisk angeboten

Fertig. Unsere VM steht in der Liste. Da wir Linux darauf installieren wollen, schieben wir eine virtuelle CD in das virtuelle Laufwerk: Klick auf „CD/DVD-Laufwerk“, „CD/DVD-Laufwerk einbinden“ aktivieren und bei „ISO-Abbild“ das eben im Medien-Manager verknüpfte Ubuntu-ISO auswählen.

virtboxport_mes-play_07

Nun können wir die VM starten und das Ubuntu Linux darauf installieren. Die Anleitung dazu folgt im nächsten Teil: Ubuntu installieren, entrümpeln und updaten.

Weitere Links

  • Virtual Box original (Verzeichnis) (Version Windows 32bit), wenn man es auf dem eigenen Rechner installieren will
  • VMWare (Homepage) läuft auf Windows und Linux. Der freie VMWare-Server ist eine sehr brauchbare Lösung, wenn man zum Beispiel ein paar virtualisierte Entwicklungs- oder Testsysteme hat. Gute GUI-Unterstützung. Leider benötigt es reichlich Resourcen, muss installiert werden und belegt reichlich Plattenplatz.
  • Qemu für Windows (download) und für Linux (download) ist eine Virtualisierungs-Lösung wie Virtual Box, aber grafisch/GUI nicht so komfortabel unterstützt. Dafür kann es diverse Prozessoren simulieren, läuft ohne Installation auf Windows und Linux und unterstützt ebenfalls VMDK-Disks. Ich habe es sogar auf meinem eeePC nutzen können.